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Frank Unger (r.) stellt mit rund 20 Helfern den Krötenschutzzaun entlang der L 135.

1,4 Kilometer Zaun für Kröte, Frosch und Co.

Der Straßenverkehr stellt für Amphibien im Frühling stets eine große Gefahr dar. Die Stadt Dessau-Roßlau überlässt die Tiere aber nicht einfach ihrem Schicksal. Sie schützt Sie und bekommt dabei Hilfe unter anderem von Berufsschülerinnen und -schülern.

„Immer aufpassen, dass die Kröten nicht unter dem Zaun durchkriechen können“, erklärt Frank Unger, Leiter der Untern Naturschutzbehörde (UNB) im Rathaus der Stadt Dessau-Roßlau den Helfern. Rund 20 sind gekommen, die Hälfte davon Jugendliche, um Amphibienschutzzäune aufzubauen, denn die warmen Sonnenstrahlen dieser Tage lösen gerade bei Fröschen, Kröten, Molchen und Unken Frühlingsgefühle aus.

 

Die steigenden Temperaturen locken sie aus ihren Winterquartieren, wie dem Wald entlang der Landstraße (L) 135 hinter Sollnitz bis zum Abzweig L 136. Nachdem die Amphibien die kalte Jahreszeit dort in frostsicheren Verstecken zugebracht haben, ziehen sie nun zu ihren Geburtsgewässern, um sich dort fortzupflanzen. An manchen Stellen, wie entlang der L 135, müssen die Tiere während der sogenannten Laichwanderungen viel befahrene Straßen überqueren, ein tödliches Risiko. „Eine Erdkröte benötigt zum Beispiel zwischen 10 und 20 Minuten bis zur anderen Seite“, erklärt Unger, rund einem Dutzend junger Leute, die beim Aufbau der Krötenzäune helfen.

 

Um die Tiere zu schützen, werden im Stadtgebiet von Dessau-Roßlau seit Jahren regelmäßig zwei Straßenabschnitte – entlang der Burgkühnauer Allee und der L 135 – mit temporären Amphibienschutzeinrichtungen ausgestattet. Immer Anfang März installieren Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde auf rund 1,4 Kilometern Fangzäune und stellen Warnschilder auf. Tatkräftige Unterstützung erhält die Naturschutzbehörde dabei wieder vom Förder- und Landschaftspflegeverein Biosphärenreservat „Mittelelbe“ e.V. und Schülerinnen und Schülern des Beruflichen Ausbildungs- und Vorbereitungs-Werks gGmbH Dessau. „Im Jahr 2024 haben wir hier etwa 1000 Tiere aufgefangen und sicher über die Straße gebracht“, sagt Unger. Unter den so geretteten Amphibien sind stets auch jede Menge geschützter Arten, wie verschiedene Grün- und Braunfroscharten oder Teichmolche. „Die einzige hier vorkommende Art, die nicht unter besonderem Schutz steht, ist die Erdkröte“, so Unger weiter.

 

Einige hundert Meter Amphibienzaun gilt es aufzustellen, dazu muss alle zehn Schritte ein Eimer eingegraben werden. In diese fallen Frosch, Kröte und Molch bei ihrer Suche nach einem passierbaren Weg zum Wasser. Die Eimer werden nun in den kommenden Wochen täglich vom Landschaftspflegeverein kontrolliert, um „gefangene“ Kröten über die Straße zu tragen. „Zusätzlich werde durch ehrenamtliche Helfer am Luisium dafür gesorgt, dass die trennende Wirkung von Hochwasserschutzanlagen überwunden werden kann“, ergänzt der Leiter der UNB.

 

Auf den Weg machen sich die liebestollen Tiere, wenn ihre innere Uhr den Frühling ankündigt und die Nachttemperaturen über 5 °C steigen. Regen verstärkt die Wanderbereitschaft. „Dann versuchen alle Tiere möglichst zeitgleich zu den Laichgewässern zu gelangen, auf die sie bereits als Kaulquappe geprägt wurden“, so Unger. Jetzt, zu Beginn der Hauptwanderzeit, die bis April geht, werden deshalb die für Amphibien besonders gefährdeten Abschnitte mit Krötenzäunen gesichert. „Wir bitten alle Verkehrsteilnehmer in den nächsten Wochen um besondere Rücksicht, einmal natürlich für die Amphibien. Andererseits auch für unsere fleißigen Helfer vom Landschaftspflegeverein, die meist in der Dämmerung die Auffangeimer leeren“, ruft Unger die Bevölkerung auf, bevor er sich wieder den jungen Leuten zuwendet und ihnen erklärt, worauf es alles noch ankommt, damit Kröten gut auf der anderen Straßenseite ankommen.

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