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100 Jahre Bauhaus in Dessau

Ministerpräsident Haseloff übergibt Fördermittelbescheide für das Bauhausjubiläum an die Stadt

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff übergab am Dienstag, den 12. August 2025 im Museum für Stadtgeschichte Dessau die Zuwendungsbescheide des Landes Sachsen-Anhalt für das Jubiläumsprogramm der Stadt anlässlich "100 Jahre Bauhaus Dessau" an Oberbürgermeister Dr. Robert Reck.

In seinem Grußwort hob Haseloff die Bedeutung Dessaus für das Bauhaus hervor: „Das Bauhausjubiläum 2025/26 ist ein wichtiges Kulturereignis von internationaler Bedeutung. 1925 kam das Bauhaus von Weimar nach Dessau. Modernität, Weltoffenheit und Liberalität Dessaus wirkten sich von Anfang an produktiv auf die Arbeiten des Bauhauses aus. Hier entfaltete es seine größte Wirkung auf Architektur, Kunst, Design und die menschlichen Lebensbedingungen.“

Mit Frank Kreißler, Leiter des Stadtarchivs, Karin Weigt, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums für Stadtgeschichte, Ruben Rebmann, Direktor der Anhaltischen Gemäldegalerie und Nadine Willing-Stritzke als Leiterin des Kulturamtes, waren diejenigen anwesend, die mit ihren Teams die Projekte erdacht haben und sich nun darauf freuen, mit der Umsetzung zu beginnen.

„Alle Projekte sind in enger Absprache mit der Stiftung Bauhaus entwickelt worden und werden als Kooperation umgesetzt. Sie bereichern damit das Programm der Stiftung und ermöglichen so ein vielfältiges Jubiläumsprogramm, mit dem an die Ansiedlung des Bauhauses vor 100 Jahren erinnert wird. Ich danke dem Land für die finanzielle Unterstützung unserer Projekte“, betonte Oberbürgermeister Reck bei der Übergabe der Fördermittelbescheide. Die drei städtischen Projekte erweitern das Jubiläumsprogramm der Stiftung „An die Substanz“. So feiern Stadt und Stiftung gemeinsam 100 Jahre Bauhaus Dessau. Aus diesem Anlass war auch Dr. Barbara Steiner als Stiftungsdirektorin anwesend.

Alle drei Projekte werden über die Kulturförderichtlinie des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

 

1. Projekt: 100 Jahre Bauhaus in Dessau / 1925: Das Bauhaus kommt nach Dessau Lesereihe, Publikation und Sonderausstellung von Stadtarchiv und Museum für Stadtgeschichte
(75.600 Euro Zuwendung, 75.600 Euro Eigenmittel Stadt = 151.200 Euro)

Den Auftakt für die kommunalen Aktivitäten macht das Dessauer Stadtarchiv. Unter Federführung von Dr. Frank Kreißler wird eine umfangreiche Dokumentation vorbereitet, die das Jahr 1925 anhand zeitgenössischer Quellen chronologisch aufarbeitet und als ereignisreichen Zeitraum in einer prosperierenden deutschen Industrie- und Beamtenstadt Revue passieren lässt. Dabei werden lokale Ereignisse und Entwicklungen vor einen größeren politischen und kulturellen Horizont gestellt und die – mit der Weimarer Selbstauflösung im Dezember 1924 begonnene – Übersiedlung des Bauhauses im wirtschaftlichen und sozialen Kontext betrachtet. Der dabei entstehende Almanach wird von einer monatlich stattfindenden Lesereihe begleitet und das Jahr in zwölf Abschnitten vergegenwärtigt. In 2026 wird dann eine Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte dieses Thema aufgreifen und erweitern. Die Ausstellung will die Stadt zeigen, auf die die Ideen des Bauhauses trafen, als sie 1925 nach Dessau kamen. Traditionsbewusstes Bürgertum einerseits, Industriearbeiter andererseits. Das Bauhaus traf auf ein vielfältiges soziales Beziehungsgeflecht. Insbesondere aber das Stadtbild kontrastierte mit seinen konventionellen Bauten zur neu entstehenden Bauhaus-Architektur. Die Ausstellung korrespondiert mit der Dauerausstellung „Schauplatz vernünftiger Menschen“. Mit einer dezentralen Ausstellung an biografischen Ankerpunkten, die mit dem Stiftungs-Projekt „Unsichtbare Orte“ korrespondiert, werden führende kommunale Persönlichkeiten der Bauhaus-Zeit vorgestellt. Dabei sollen die jeweiligen Schauplätze assoziativ an die (teilweise in den Zeitläuften verlorenen oder überformten) Wirkungsstätten der Männer erinnern, die das Bauhaus nach Dessau brachten. So könnte im Rathaus an den Oberbürgermeister Fritz Hesse und an den anhaltischen Landtagspräsidenten Heinrich Peus erinnert werden. In der Anhaltischen Gemäldegalerie sollen Dokumente zu Leben und Werk des Landeskonservators Ludwig Grote gezeigt werden. Das Anhaltische Theater wird an den Generalmusikdirektor Franz von Hoeßlin erinnern, im Technikmuseum sollen die Bezüge des Bauhauses zu Hugo Junkers dargestellt werden. Im Überblick ergibt sich so ein Netzwerk, das für die Ansiedlung des Bauhauses in Dessau unerlässlich war und dessen Protagonisten auf Augenhöhe der Meister um Walter Gropius agierte.

 

2. Projekt: Jubiläum 100 Jahre Bauhaus in Dessau „Bauhaus-Sommer-Festival 2025/2026“ organisiert vom Kulturamt der Stadt Dessau-Roßlau 
(35.000 Euro Zuwendung, 35.000 Euro Eigenmittel Stadt = 70.000 Euro)

Das Bauhaus-Sommer-Festival beginnt im September 2025 mit dem Jubiläumsauftakt der Stiftung Bauhaus Dessau und dem Anhaltischen Theater im Tierpark. 2026 werden über die ganzen Sommermonate bis Ende September im Stadtpark Dessau, in unmittelbarer Nähe zum Bauhausmuseum, Konzerte, Workshops, Kunstaktionen, Tanzabende stattfinden. Auch ein Bürgerfest „100 Tische“ soll anlässlich des 100. Jubiläums veranstaltet werden. Vereine, Institutionen, Initiativen, Studenten und Privatpersonen sind dazu eingeladen, sich an die Tische zu setzen. Sie alle symbolisieren die Vielfalt der Herkunft der Studenten in der Stadt, damals am Bauhaus, als auch heute. Kulinarisch steht diese Vielfalt im Mittelpunkt des Bürgerfestes, denn die Kochkünste aus aller Welt werden sich an den 100 Tischen finden.

 

3. Projekt: Sonderausstellungen in der Anhaltischen Gemäldegalerie 
(16.000 Euro Zuwendung Land, 16.000 Euro Eigenmittel Stadt = 32.000 Euro)

Von Mai bis August 2026 wird in der Anhaltischen Gemäldegalerie der renommierte Architekturfotograf Swen Bernitz die Ausstellung „Meinen Kubismus nenn ich lieber Prisma-ismus“ zeigen. Bernitz setzt sich in mehreren Fotoserien mit den Bauhausgebäuden in Dessau und mit der Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau auseinander. Die Fotografien sind eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit dieser ikonischen Architektur, In seiner Arbeit bezieht sich Bernitz auf die künstlerischen Stile der Bauhäusler Marianne Brandt, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Laszlo Moholy-Nagy, Hannes Meyer und Hans Wittwer. Daraus ergibt sich eine neue kreative Sichtweise auf diese Gebäude. Von September bis Dezember 2026 wird eine Schau zu Ludwig Grote präsentiert. Der Landeskonservator Ludwig Grote gehörte zu den Promotoren des Bauhauses in Dessau. Er war aktiv daran beteiligt, das Bauhaus nach Dessau zu holen. Als Kunstberater des Oberbürgermeisters Fritz Hesse wurde er 1927 auch der erste Direktor der Anhaltischen Gemäldegalerie. Seine enge Beziehung zum Bauhaus führte dazu, dass er eine bedeutende Sammlung an Gemälden und Grafiken der Bauhausmeister und einzelner Schüler für die Anhaltische Gemäldegalerie angekauft hat. Grote hat als künstlerischer Leiter des Anhaltischen Kunstvereins zahlreiche Ausstellungen einzelner Bauhausmeister oder zu Webarbeiten aus dem Bauhaus kuratiert. Der Bauhausmeister Hinnerk Scheper wurde von Ludwig Grote beauftragt, ein Farbschema für die Ausstellungsräume im Palais Reina und im Schloss Oranienbaum zu gestalten. Hier lässt sich die Verbindung zu den im Schloss Oranienbaum noch vorhandenen farbigen Fassungen der Wände herstellen, und die zum Bauhausjubiläum sichtbar gemacht werden. Es wird eine Zusammenarbeit zur Vermittlung des Themas Schepersche Wandfassungen zwischen der Anhaltischen Gemäldegalerie und der Kulturstiftung Dessau Wörlitz geben.

 

Hintergrund: Die kurze, aber ertragreiche Beziehung zwischen dem historischen Bauhaus und der Stadt Dessau ist untrennbar mit der Industrie- und Kulturgeschichte der aufstrebenden Kommune in den 20er und frühen 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts verbunden. Direkte Kontakte zu innovativen Firmen wie der Junkers Motorenbau GmbH und Junkers Flugzeugwerk AG eröffneten den Produktgestaltern und Reklame-Künstlern konkrete Kooperationsmöglichkeiten, das rasante Wachstum der Stadt sorgte für Aufträge im Siedlungsbau – und die Protagonisten der Stadtgesellschaft standen den ästhetischen und technologischen Experimenten der Hochschule aufgeschlossen gegenüber. Zugleich beförderte der Fortschritt aber auch politische Konflikte, das „kulturbolschewistische“ Bauhaus war seit seiner Ankunft in Dessau 1925 eine Projektionsfläche für die Feindbilder der rechten Ideologen. Dass auch die Wirtschaftskrise Einfluss auf diese Debatten nahm, ist bis heute in Dessau sichtbar: Das letzte vom Bauhaus-Gründer und Architekten Walter Gropius gestaltete Gebäude in der Stadt war ein Arbeitsamt, das die Nationalsozialisten später als „Zirkus“ diffamierten. Ein Denkmal der Industriekultur, das inzwischen zum Unesco-Welterbe zählt. Mit einem mehrstufigen, multimedial aufbereiteten und vielseitig zugänglichen Projekt will die Stadt Dessau-Roßlau 2025 an die Ansiedlung des Bauhauses vor 100 Jahren erinnern. Dabei sollen vor allem die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen beleuchtet werden, die den Meistern um Walter Gropius geeignete Voraussetzungen für den Umzug ihrer Schule aus Weimar boten. Das städtische Programm nimmt auch das Verhältnis der Klassischen Moderne zur Industriekultur in den Blick. Als Beitrag zum sachsen-anhaltischen Landesmotto #moderndenken wird das Bauhaus-Jubiläum die städtische Kulturarbeit über zwei Jahre – bis zur Erinnerung an die Eröffnung des Werkstatt- und Schulgebäudes am 4. Dezember 1926 – prägen. Die unterschiedlichen Formen der Präsentation tragen dabei dem experimentellen Charakter des Bauhauses Rechnung und bilden die Dynamik der historischen Prozesse nach.

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