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Umbettung Marienkirche

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Umbettung in die Marienkirche Letzte Ruhestätte für Mitglieder des Herzoghauses Anhalt-Dessau

Am Sonntag, dem 10. November 2019, schließt sich der Kreis: Nach langer Reise finden zehn Mitglieder des Herzoghauses ihre letzte Ruhestätte in der Gruft der Dessauer Schloss- und Stadtkirche St. Marien. Mit Ansprachen und einem Gottesdienst wird die Wiederbeisetzung von zehn Särgen vom städtischen Friedhof in Dessau-Ziebigk in die Kirche in Anwesenheit der Familie vollzogen. Damit soll eine Wunde geheilt werden, die den historischen Wendungen des vergangenen Jahrhunderts geschuldet ist. Die Entscheidung für diesen Ort ist das Ergebnis vieler Gespräche, denn die Verwirrungen der Geschichte hatten Verwerfungen hinterlassen.

Ein Blick zurück

Die positive Entwicklung der Region ist eng mit der Vita des Herzoghauses Anhalt-Dessau verbunden. Bis zur Novemberrevolution 1918 hat das Herzoghaus Jahrhunderte lang die Geschicke Anhalts aktiv geprägt und darüber hinaus ein reiches kulturelles Erbe hinterlassen. So erfreuen wir uns noch heute u. a. an der 1918 von Prinzregent Aribert von Anhalt ins Leben gerufenen Joachim-Ernst-Stiftung, der wir das von der UNESCO geschützte Gartenreich Dessau-Wörlitz verdanken.
Ihre letzte Ruhestätte fanden die Askanier einst in der Gruft der Dessauer Marienkirche. Nach dem Bau des Mausoleums Ende des 19. Jahrhunderts in unmittelbarer Nachbarschaft zum Georgium wurde dieses als Begräbnisstätte genutzt. Bei den Bombenangriffen im März 1945 wurde die Marienkirche zerstört. Das herzogliche Mausoleum, ebenfalls von Bomben getroffen, wurde als Zeugnis der Aristokratie schlecht unterhalten. So kam es schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an beiden Stätten zu erheblichem Vandalismus und zur Störung der Totenruhe der bestatteten Mitglieder der herzoglichen Familie.

Anfang der 1950er Jahre wurde die Evangelische Landeskirche Anhalts initiativ und schlug zunächst nur für das Mausoleum eine Umbettung der sterblichen Überreste zur Wahrung der Würde der Toten vor. Ein entsprechender Antrag wurde vom damaligen Rat gebilligt. Für die Ruhestätten aus dem Mausoleum wurde der Friedhof in Dessau-Ziebigk gewählt. Am 4. Juni 1958 wurden die zehn Toten in Särgen aus dem Mausoleum nach Ziebigk gebracht, eingesegnet und bestattet. Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert, staatliche Akten vernichtet.
Zehn Jahre später, 1968, wurden die sterblichen Überreste aus der verfallenen Marienkirche auf den Historischen Friedhof in die Gruft des Militärschriftstellers Georg von Berenhorst (1733– 1814), Sohn von Leopold I. von Anhalt-Dessau, überführt.
Insbesondere die Grablege auf dem Ziebigker Friedhof blieb den Nachfahren der herzoglichen Familie fremd. Entsprechend präsentierte sie sich auch schmucklos und ohne Grab- oder Gedenkstein. Lediglich ein als Notbehelf anmutendes Holzkreuz gab einen Hinweis auf die dort bestatteten Askanier; eine Verletzung, die insbesondere nach der politischen Wende auf Heilung wartet.

2014 wurde auf maßgebliche Initiative des Ehrenbürgers Alfred Radeloff, Pfarrer i. R., hin die Überführung der sterblichen Überreste von Familienmitgliedern der Askanier vom Historischen Friedhof in die Gruft der Marienkirche und damit zurück an ihre ursprüngliche Ruhestätte veranlasst. Die Grablegen aus dem Mausoleum verblieben jedoch in Ziebigk.

Die neue Ruhestätte

Im Jahr der 100. Wiederkehr der Gründung der Joachim-Ernst- Stiftung 2018 wurden die Zustände der Gräber auf dem Ziebigker Friedhof augenfälliger. Schließlich moderierte der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, zwischen Kirche, Stadt und Familie von Anhalt das schwierige Thema und erlangte den Kompromiss der Einstellung der Särge in die Marienkirche. Die öffentliche Wiederbeisetzung mit gottesdienstlicher Feier findet am Sonntag, dem 10. November 2019 um 14:00 Uhr, in der Marienkirche statt.