Die Brunnenanlage „Stadtgespräch“ von Christine Rammelt-Hadelich zeigt im Inneren des Brunnenbeckens einen Lebenskreis aus männlichen und weiblichen Bronzefiguren, die für Kindheit, Jugend und Alter stehen. Die drei Architekturelemente aus Beton symbolisieren die Stadt Dessau und tragen eine Bronze-Eule als Hinweis auf das umgebende Dessau-Wörlitzer Gartenreich. In der Brunnenmitte befindet sich ein Bücherstapel, der sowohl „bauhaus“ „Junkers“ als auch ein fürstliches „F“ zeigt, sowie den Titel der Anlage und ihre Entstehungszeit: 1999-2001.
Die vier Bronzeplastiken historischer Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte von Dessau wurden nach und nach in den Jahren 2020 bis 2026 am Brunnen aufgestellt. Mit ihnen erfüllt sich das Gestaltungskonzept der Künstlerin, indem die Besucher am Brunnen ein „Stadtgespräch“ mit dem zentralen Lebenskreis und einem Teil der bedeutenden Historie von Dessau führen können
Die Plastiken
Walter Gropius (1883 - 1969)
Geboren in Berlin, studierte Walter Gropius Architektur in München und Berlin. Nach einer Zeit als Angestellter in einem Architekturbüro machte er sich in Berlin selbständig. 1919 gründete er das Bauhaus in Weimar und wurde sein Direktor.
1926 zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau in das Gebäude, welches heute zum Unesco Weltkulturerbe gehört. Zwei Jahre war er auch hier Direktor. Dann zog er zurück nach Berlin als selbständiger Architekt. 1934 ging er ins englische Exil und drei Jahre später in die USA. 1938 gründete er ein eigenes Architekturbüro in Cambrigde. Dort verstarb er 1969.
Die Verdienste von Walter Gropius um das weltberühmte Bauhaus als Beginn der architektonischen Moderne, sowie als experimentelle Gestaltungsschule, erklären sich mit Blick auf die üppig dekorierte Architektur der Gründerzeit, in der diese Entwicklung stattfand. Die Verbindung von schlichter Form und Funktion, von Industrie und Handwerk, sowie eine neue künstlerische Ausdrucksweise ist heute für uns längst Normalität.
Man muss nicht von großer Statur sein, um Bedeutendes zu schaffen. Nicht ohne Grund ist der Name Walter Gropius weltweit bekannt. Er hat Wesentliches für die Architekturgeschichte geleistet und für die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Die lebensgroße Bronze-Plastik des Walter Gropius von Christine Rammelt-Hadelich aus dem Jahr 2020 präsentiert den Architekten auf einem Sockel vis á vis vom Bauhaus-Museum mit Blick zum Ausstellungsgebäude. Sie hat für ihre Darstellung nicht den jüngeren Gropius gewählt, sondern zeigt den reifen Mann, der bereits auf ein Lebenswerk zurückblickt. Den Ideengeber, den Visionär und Dozenten. Einen Menschen der weiß, dass er etwas bewegt hat und mit dieser Gewissheit gelassen und stolz in die Welt schaut.
Auf seinem Dozentenpult befindet sich ein kleiner Modellentwurf vom Bauhaus-Gebäude. Ein Verweis auf das Spielerische, das jede kreative Idee am Beginn braucht: ein skizzenhaftes, noch unfertiges Modell der neu erdachten Architektur, ganz handwerklich aus schlichten Kuben zusammengesetzt, welches aber das spätere Bauwerk bereits erahnen lässt. Außerdem sieht man ein quasi „tragendes Zitat“ am Pult in Form jener Süd-Fassade mit dem berühmten Bauhaus-Schriftzug.
Fürstin Louise Henriette Wilhelmine von Anhalt-Dessau (1750 - 1811)
Louise Henriette Wilhelmine wurde 1750 als Prinzessin von Brandenburg-Schwedt geboren, im Alter von 15 Jahren auf Geheiß von Friedrich II. König von Preußen mit dem Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau verlobt und im Alter von 17 Jahren verheiratet. 1769 wurde ihr Sohn Friedrich geboren.
Die arrangierte Ehe war nicht sehr lange glücklich. So separierte sich die Fürstin im Alter von 36 Jahren von ihrem Gatten und wohnte im Haus der Fürstin, dem sogenannten Grauen Haus, im Wörlitzer Schlosspark.
Fürstin Louise war eine künstlerisch begabte Frau in Literatur, Kunst, Musik und Philosophie. Sie pflegte Freundschaften, wie mit der Malerin Angelika Kauffmann und der Schriftstellerin Friederike Brun. Viele bedeutende Persönlichkeiten in der Zeit der Aufklärung, wie Rousseau, Forster, Haefeli, Humboldt, Basedow, Hirt, Reichardt, bis hin zu Goethe schätzten sie als geistreiche Gesprächspartnerin.
Die Fürstin nahm regen Anteil an der Gestaltung des Wörlitzer Gartenreiches durch Erdmannsdorff. Sie wirkte durch Zeichnungen bei der Ausgestaltung der Innenräume des Schlosses mit und wurde durch Klavier- und Theaterspiel der klassizistischen Dessauer Kultur förderlich. Louise bereiste 1788 bis 1790 Italien und besuchte Rom. Auf dieser Bildungsreise wurde sie begleitet und unterrichtet von dem bedeutenden Archäologen Aloys Hirt, besuchte viele Kulturstätten und Kunstwerke. Unter seiner Anleitung begann sie ein Künstlerlexikon zu verfassen. Fürstin Louise verstarb 1811 in Dessau.
Die lebensgroße Bronze-Plastik im Brunnen-Ensemble „Stadtgespräch“ von Christine Rammelt-Hadelich aus dem Jahr 2021 zeigt die Fürstin als junge Frau in einem fließenden klassizistischen Gewand, als Ausdruck für die Bewunderung der griechischen Antike am Fürstenhaus. Das große Buch zu Füßen der Fürstin symbolisiert sowohl ihr tägliches Tagebuchschreiben, als auch ihre überaus umfangreiche Bibliothek, die sie zusammentrug. Das Buch in ihrer linken Hand verweist auf ihren Gesellschafter und Vorleser, den Dichter Friedrich von Matthisson. Der kleine Garten mit Bogenbrücke und Schlösschen in ihrer rechten Hand ist ein Hinweis auf ihren von Baumeister Erdmannsdorff erbauten Sommersitz im hiesigen Schlosspark Luisium.
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